The Waiting

The Waiting
Seb-O-Mat im Juli 2006

18. Januar 2007

Prozessionsspinner II

Auf Wunsch einer aufmerksamen Leserin füge ich nun, die schon beschriebene Kette von Prozessionsspinnern in einem Foto an. Ich hoffe, sie sind gut zu erkennen:

Seb-O-Mat, Grenoble am 01.01.2007

Wer weitere Informationen braucht, klicke hier und hier . Sehr interessant! Wer hat gedacht, dass die kleinste Berührung hätte gefährlich werden können. Okay, wir wollen mal nicht übertreiben, aber so ganz ohne ist diese Raupe jedenfalls nicht. Im Übrigen hätte ich nie gedacht, dass ich mich so intensiv mit Raupen beschäftigen kann. Bin ich jetzt ein Raup-O-Loge?

17. Januar 2007

Clemenz und Anne - eine Panne?

Freitag, 12.01.2007, 17:45h. Meine Mission: Beschattung mit Photo. Mein erster Auftrag im Interesse meiner Leser. Hatte ich ja selbst angezettelt. Ich muss aufs Klo. 17:48h. Jetzt aber los! Teleobjektiv nicht vergessen. Ein Leser kann auch gucken. Wär ja auch noch schöner, wenn nicht. Den Regenschirm nicht vergessen, es nieselt draussen. Außerdem schwarze Jacke, schwarzer Schal und schwarze Wollmütze angezogen, umgehängt und aufgesetzt. Das Stativ nicht vergessen, es ist dunkel. Die Bilder verwischen, wenn man kein Stativ benutzt. Ich entscheide mich für das Hama Profil 72. 'Stativ' mit kurzem 'i' und mit 'v'. Dazu Kamera und Teleobjektiv. Ich habe mir meinen Beobachtungsstandort schon mehrmals in Gedanken vorher ausgemalt. Es kann losgehen! Halt! Es fehlt noch ein Accessoire zur perfekten Tarnung: Ich hefte einen Tokio-Hotel-Button direkt an das Revers meiner schwarzen Winterjacke. Da ich mir meine Zielpersonen als der Jugendkultur zugehörig vorstelle, meine ich, so völlig unauffällig zu sein.

17:53h. Ich gehe los. Schnelle, große Schritte. Es ist kurz vor sechs, die Kirchturmglocken läuten schon. Ich bin so nervös, als rannte ich zu meinem eigenen Rendezvous. Ich überlege, was ich sage, wenn ich auf Clemenz und Anne treffe. Mein Herz hämmert - schneller als beim 100m-Sprint-Finale der 4x100m-Staffel zur Berliner Meisterschaft 1997. Diesmal will ich nicht ausrutschen, nicht zu spät kommen. Einen zweiten zweiten Platz kann ich nicht vertragen. Auf dem Gehweg überhole ich alle - rechts wie links - Rentner, junge Mütter mit Kinderwagen und Fahrradfahrer. Ich hätte vorher auch nicht gedacht, dass aus so einer kleinen Geschichte so eine Riesenstory werden könnte. 17:55h. Nur noch wenige Meter bis zur Hochbahntrasse auf der Schönhauser Allee direkt gegenüber vom Café Balzac. So hatte ich mir meinen idealen Standpunkt ausgemalt. Im Schatten der Treppe vom U-Bahnsteig wähnte ich ein gutes Versteck um den Strassenraum vor dem Café observieren zu können. Allein ein LKW macht mir einen mächtigen Strich durch die Rechnung. Als Lieferant für den an das Zielobjekt angrenzenden Waschmaschinen-An-und-Verkauf getarnt, stört er meine Sicht aufs Empfindlichste und so wird nichts aus meinem Beobachtungsposten. Überhaupt ist die ganze Schönhauser extrem unübersichtlich. Menschen kommen aus den Arkaden und überqueren ungefragt die Strasse in Richtung Balzac. Umgekehrt das Gleiche. Menschen verlassen das Balzac und überqueren die Schönhauser. Oder schlimmer noch: Sie gehen zu Alain's Imbiss und nehmen noch eine Kettwurst ein. Es ist ein Durcheinander und es ist: 18:00h! Hinzu kommt, dass das Wetter sich verschlechtert. Aus dem Nieseln wird ein starkes Nieseln. Ich entscheide mich, zwischen dem LKW und dem Balzac, also ziemlich genau vor den großen Schaufenstern des Cafés, mein Stativ aufzustellen und zu warten. Immer noch das gleiche Bild. Obwohl es regnet: überall Menschen. Vermutlich haben die ein Zuhause und wollen auch noch da hin. Geschäftiges Treiben. Von Anne und Clemenz keine Spur, die Bank vor dem Balzac ist leer.

So langsam kommt mir der Gedanke, dass ich keine Vorstellung davon habe, wie Anne und Clemenz aussehen könnten. Ich erinnerte mich an meinen Freund Clemens. Vielleicht sieht Clemenz aus wie Clemens. Vielleicht sind sie ja ein und dieselbe Person. Dann fällt mir ein, dass Clemens gar nicht in der Bornholmer Strasse wohnt und daher nie Annes Flugzettel hätte bekommen können. Vielleicht hatte Clemenz ihr das auch nur gesagt, um sie schneller wieder los zu werden. Haltlose Spekulationen helfen an dieser Stelle aber nicht weiter.

Ich stecke den Apparat in die Stativhalterung und drücke ab. Unterbelichtet! Verdammt, ich habe noch den Landschaft-bei-Sonnenschein-Modus vom Grenoble-Urlaub eingestellt! Von Anne keine Spur. Kalter Regen tropft auf meine Hand. Das Objektiv hat schon zwei Tropfen abbekommen. Ich schieße weitere Alibi-Fotos.

Seb-O-Mat, Berlin am 12.01.2007

Meine Gedanken sind bei Anne, Clemenz und meinen Lesern. Ist Anne nicht gekommen? Hat Clemenz den Zettel nie erhalten? Hat Clemenz versucht, Anne anzurufen? Sie aber nicht erreicht, weil er nicht wusste, dass ihr Handy gestohlen wurde? Schon wieder Spekulationen! 18:10h. Ich gehe rein. "Zugriff!" flüstere ich in Richtung meines Tokio-Hotel-Buttons am Revers meiner Jacke. Zwei Sekunden später bin ich mir peinlich und hoffe, dass es niemand gesehen hat.

Ich bin drin und durchquere in einer mir eigenen, aber unbeschreiblichen Art den Laden. Alle gucken mich an, meine Tarnung ist aufgeflogen! "Macht nichts!" denke ich, ist ja mein erstes Mal. Ich bestelle sofort, um neue Tarnpunkte zu bekommen, einen Latte Macchiato, natürlich richtig ausgesprochen, damit's nicht auffällt. Der Übereignungsakt erfolgt ohne nennenswerte Zwischenfälle. "Wenigstens eine Sache, die klappt", denke ich bei mir. Habe ich ja auch schon hundertmal geübt, hier im P-Berg. Nachdem ich mir, wie üblich, Zimt und braunen Zucker auf die Latte gestreut habe, nehme ich mir einen günstigen Platz als Beobachtungsposten.

Seb-O-Mat, Berlin am 12.01.2007

Ich setze mich am Fenster auf einen von den Ich-mache-meine-Hausaufgaben-und-gucke-dabei-sowieso-nur-
draussen-die-Leute-an-Plätzen und bin strategisch bestens platziert. Von hier aus kann ich sowohl die Szenerie vor dem Laden, als auch den Türbereich gut einsehen. Und wenn ich mal muss, ist die Klotür gleich hinter mir. Und wenn Anne und Clemenz mal müssen, müssen sie an mir vorbeimüssen. Ich sitze und warte. Das Observierungsgeschäft war noch nie mit opulenten Ergebnissen gesegnet. Es ist ist inzwischen 18:15h. Das akademische Viertel ist um...

13. Januar 2007

The Story of Clemenz und Anne...

...will follow soon. Ich muss nur erst noch eine Bewerbung fertigmachen und das erweist sich als umständlich. Ich bitte also um Geduld:
Geduld, bitte!

12. Januar 2007

Wie werde ich Türsteher von einem Elektrofachhandel?

Heute bei Medi Max trug sich folgende Szene zu: Ich komme gerade von einer Undercover Aktion (ne übliche Beschattung mit Photo) und trage deshalb noch mein Stativ unterm Arm. Es passt ja nicht in meinen Rucksack. Mich selbst hat das beim Betreten des Ladens auch gar nicht weiter gestört, genug Beinfreiheit hatte ich ja. Ich verschwendete daran also gar keinen Gedanken. Aber der Türsteher von Medi Max! Der bot mir ohne Vorwarnung folgendes Wortgefecht...:

Türsteher: Ey! Soll dit 'n Umtausch wer'n?

Ich: Nein, das hab' ich so dabei!

Türsteher: Na dann is' vielleicht besser, wenn ick ihn' so'n Zettel hier jebe, wo dit druff steht. Wir ha'm nämich och Stative.

Ich: Das ist ja gut, dass Sie das sagen. Mir wäre das gar nicht aufgefallen.

Türsteher: Welche Marke isset denn?

Ich: Hama.

Türsteher: Und welcher Typ?

Ich: Profil 72.

(Kurze Pause. Er schreibt und guckt dann vom Zettel hoch.)

Türsteher: 'Profil' mit langem 'i'?

Ich: Ne, mit kurzem. Und ausserdem schreibt man Stativ mit 'v'!

Türsteher: Sehnse, ick hab gleich jewusst, dass da wat falsch is.
Dem hatte ich am Ende nichts hinzuzufügen.

Kommt Clemenz von Demenz?

Seid gespannt! Nur noch 18 Stunden und die Geschichte von Anne und Clemenz geht weiter...

11. Januar 2007

Prozessionsspinner

"Spinner!" Das habe ich mir gedacht, als ich diese Raupenkaravane den Grenobler Asphalt entlang... tja... marschieren?... hm... robben? ...kriechen? ...puh... Ah! ...als ich diese Raupenkaravane den Grenobler Asphalt entlangraupen sah:

Seb-O-Mat, Grenoble am 01.01.2007

21 Raupen in Reih' und Glied. Schnurstracks geradeaus! Naja, eher mit ein paar Kurven zum neuen Jahr. Wahrscheinlich steckte das alte noch in den Knochen äh vielmehr Weichteilen. Als Laie der Raupenkunde war ich mir nicht im Klaren darüber, um welche Sorte es sich handelte. Erst ein Mitglied der Fotocommunity brachte mich dann auf den richtigen Weg: diese Raupen gehören wahrscheinlich zur Art der Prozessionsspinner. 'Prozession', weil sie prozessionsartig, wie eine Schlange aneinandergereiht ihres Weges wandeln, sobald sie ihr Nest verlassen. Und 'Spinner', weil das ganz schön albern aussieht. Aber so lange es hilft...

10. Januar 2007

Anne und Clemenz

Hallo Clemenz!
Mir wurde mein Handy geklaut!
Ich hab Samstagnachmittag versucht dich zu finden.
Da dies nicht geklappt hat, musste ich mich für diesen Weg entscheiden und die ganze Straße liest gerade den gleichen Brief wie du!
Peinlich!!!
Ich brauche deine Nummer noch mal.
Es wäre schön wenn wir uns am Freitag um 18 Uhr - wie beim letzten Mal - vor dem Cafe (Balzac) treffen könnten.
Danke
Anne

P.S.: Da dieser Brief in den meisten Fällen nicht für sie bestimmt ist, tut mir die kleine Störung Leid und ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag.
Was sagt man dazu? Nichts böses ahnend, öffne ich soeben den Briefkasten. Wohlwissend, dass es noch keinen analogen Briefkasten-Spamschutz gibt, bin ich gefasst auf Rechnungen und Werbung. Beides trifft entsprechend der Vorsage hundertprozentig ein. Hundertprozentig? Nicht ganz! Zwischen den Rechnungen und der Werbung lag ein kleiner Zettel: in Times New Roman gedruckt, linksbündig gesetzt und schlecht geschnitten. Zunächst dachte ich, jemand würde mir auf die Handzettel-Art-und-Weise einen Job à la "2000,- € von zu Hause nebenbei verdienen. Ganz einfach und steuerfrei!" anbieten. Doch genaueres Hinsehen entpuppte obiges Zitat (im übrigen original übernommen).

Auf den Punkt gebracht: Anne sucht Clemenz(!), doch Clemenz' Telefonnummer war in Annes digitalem Gedächtnis - ihrem Handy - gespeichert, welches ihr ganz analog (hier in etwa 'oldschoolmäßig'), nämlich durch gemeinen Diebstahl, abhanden kam. Das ist nicht ungewöhnlich. Seien wir ehrlich: Es hätte jedem von uns passieren können. Wer hat schon noch ein handgeschriebenes Telefonbuch, dass einen Dieb interessieren könnte? Das spannende an dieser Geschichte ist jedoch Annes Pragmatismus, ihr unbedingter Wille Clemenz wiederzusehen und für ihr Problem eine unkonventionelle Lösung zu finden. Anstatt Clemenz einfach aufzugeben, was aufgrund unzähliger anderer Kontakte bei Skype, StudiVZ, ICQ und Konsorten wohl die bequemste Lösung gewesen wäre, besann Anne sich einer Zeit in der man die Menschen, mit denen man seine Zeit und seine Gedanken teilte, noch an deren Geruch erkennen konnte. Sie betrat jedes Haus in Clemenz' Straße eigenfüßig und warf in jeden Briefkasten egal ob Vorderhaus oder Quergebäude eine Zettel, den sie selbst verfasst und mit Liebe gedruckt hatte.

Wie hätten wir in Annes Situation reagiert? Vielleicht genauso, womöglich aber auch ganz anders. Das können wir nur hypothetisch konstruieren. Da das aber in einer dominant-digitalen Welt viel zu analog (hier in etwa 'kontingent') ist, sollten wir lieber zusehen, was mit dieser Geschichte noch passiert.

Wird Anne Clemenz wieder treffen? Wird sich die gesamte Bornholmer Straße, in deren Briefkästen Annes Spamwerk seine Blüte fand, gegen Anne auflehnen und einen menschlichen Firewall bilden, damit so etwas nicht noch einmal geschieht? Wird Anne lernen, von nun an immer auch Nachnamen und Anschrift ihrer Liebhaber zu erfragen? Wird sie eine andere Lehre daraus ziehen und sich ein Zweithandy zulegen? Wird sie...

Fragen über Fragen und die einzige Möglichkeit zu einer Antwort zu gelangen ist folgende: Alle, die sich in irgendeiner Form für diese Geschichte erwärmen konnten und unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht, sollten am Freitag, den 12.01.2007 um 18 Uhr (wegen der guten Plätze vielleicht auch etwas früher), zum Café Balzac gleich am S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee kommen. Ich jedenfalls verpasse dieses Treffen bestimmt nicht und wünsche mir, dass sie sich kriegen. Ich bin froh, dass es für Briefkästen keinen Firewall gibt.

PS.: Wer von Euch eine gute Fortsetzung findet, ist hiermit eingeladen, sie hier zu veröffentlichen.